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Naturnahe Pflanzenansaat

 

Bei Bauprojekten werden die verbleibenden, offenen Bodenflächen oft wieder aktiv begrünt, indem man eingekaufte Samenmischungen aussät. Die Wahl des Saatguts entscheidet, wie naturnah sich die Flächen danach entwickeln und wie wertvoll diese für die heimische Lebensraum- und Artenvielfalt sind. Für ein optimales Ergebnis wird autochthones (einheimisches) Saatgut empfohlen.

 

Was ist autochthones (einheimisches) Saatgut?

Es handelt sich dabei um artenreiche Samenmischungen von Wildpflanzen, die in der gleichen Region geerntet wurden, in welcher sie - ohne Zwischenvermehrung - wieder gesät werden. Der Herkunftsort der Samen und die Ansaatfläche sollten sich hinsichtlich Lebensraumtyp, Standort- und Bodeneigenschaften, Exposition und Höhenlage entsprechen.

 

Was sind die Vorteile von autochthonem Saatgut?

  • Der Natur entsprechende Pflanzenvielfalt: Es wird wertvoller Lebensraum geschaffen, nicht nur für die angesäten Wildpflanzen, sondern auch für Tierarten wie Wildbienen oder Schmetterlinge, die sich über Jahrtausende an die heimische Flora angepasst haben und darauf angewiesen sind. Nicht-einheimische Pflanzen sind “Fremdkörper” im Ökosystem, die das Zusammenspiel zwischen den heimischen Tier- und Pflanzenarten beeinträchtigen.
  • Regionale Ökotypen werden erhalten: Sowohl das Erbgut einer Pflanzenart als auch die Artenzusammensetzung einer Pflanzengesellschaft können sich zwischen verschiedenen Gebietsregionen unterscheiden. Durch die Verwendung von autochthonem Saatgut werden diese regionalen Eigenheiten und Ökotypen erhalten. Die genetische Vielfalt erhöht die Widerstandskraft der Pflanzen gegen äussere Einflüsse. 
  • Stabile und robuste Entwicklung: Autochthones Saatgut ist besser an den Standort angepasst als auswärtiges. Deswegen und weil es nicht zwischenvermehrt, sondern direkt wieder ausgebracht wird, ist es robuster gegen Umwelteinflüsse vor Ort. 
  • Genetische Vielfalt wird gefördert: Es wird ein Beitrag geleistet, dass die genetische Vielfalt der heimischen Pflanzen erhalten bleibt und sich weiterentwickeln kann. 
  • Weniger Inzucht: Die einzelnen Pflanzen sind stabiler und widerstandsfähiger als bei Saatgut, das künstlich zwischenmehrt wurde. Ihr Genpool bleibt vielfältig. Für die weitere natürliche Vermehrung der Pflanzen ist das wichtig, damit auch die «Nachkommen» stabil und gesund bleiben.

Welche Saatmischungen sind geeignet?

Gut geeignet für Begrünungen und Wiederbegrünungen innerhalb und ausserhalb von Siedlungen sind:

  • Einheimische Saatgutmischungen aus dem Handel, die regionale Ökotypen enthalten.
  • Eine Direktbegrünung mit Saatgut von einer Spenderfläche auf eine Empfängerfläche in der gleichen Region und des gleichen Lebensraumtyps.

Bei beiden Varianten sind eine professionelle Ausführung und korrekte Pflege wesentlich für den Erfolg. Wichtig ist, dass die lebensraumtypischen Arten in ausgewogener Mischung vertreten sind. Es dürfen keine invasiven Arten im eingesammelten Saatgut vorhanden sein.

 

Wo und wann kann man autochthones Saatgut beziehen?

Im Handel sind mittlerweile gute Mischungen mit einheimischen Pflanzenarten für verschiedene Lebensräume zu finden. 

Mögliche Anbieter für das Glarnerland sind:

  • Jakober Gärten, Wiesli 7, 8750 Glarus, 078 889 64 90: Direkt bezugsbereit sind normalerweise kleinere Mengen an Saatgut für Fromental- und Trespenwiesen sowie für Hochstauden. 
  • HoloSem: www.holosem.ch, info(at)holosem.ch, 056 641 17 14: Für grössere Mengen und Saatgut für weitere Lebensräume.

Es lohnt sich, die Wiederbegrünung früh genug zu planen. Sind für den gesuchten, standortgerechten Lebensraum keine einheimischen Saatgutmischungen verfügbar, müssen diese übers Jahr in mehreren Durchgängen gesammelt und aufbereitet werden. Wenn das gewünschte Saatgut nicht an Lager ist, muss mit mindestens einem Jahr Beschaffungszeit gerechnet werden.

 

Weiterführende Informationen

Kontaktieren Sie uns oder die Abteilung Umweltschutz und Energie des Kantons Glarus (umweltschutz(at)gl.ch, Tel. 055 646 64 68), wenn Sie weitere Fragen haben!